Karriere August 29, 2025

Ist der Beruf Fotograf:in gefragt? Nachfrage 2025, Honorare & Chancen

Melina Fassbinder 0 Kommentare

Die kurze Antwort: Ja - aber nicht überall gleich. Fotografie ist 2025 gefragt, nur verteilt sich die Nachfrage anders als früher. Wer People, Corporate und On‑Location richtig spielt, bekommt volle Kalender. Wer nur auf klassische Stockbilder setzt, spürt Gegenwind. Smartphones und KI drücken auf Standardjobs, aber sie schaffen auch neue Chancen in Markenkommunikation, E‑Commerce und Employer Branding. Realistisch? Du kannst gut verdienen - wenn du dich fokussierst, dein Angebot schärfst und Prozesse straffst.

TL;DR: Wie gefragt ist der Beruf Fotograf:in 2025?

Hier ist die Kurzfassung, damit du schnell siehst, wo du stehst und wohin du gehen kannst.

  • Der Jobmarkt Fotografie 2025 ist selektiv: Hohe Nachfrage in Corporate/Employer Branding, E‑Commerce, Immobilien, Industrie und Events; schwächer bei generischen Stock‑ und einfachen Packshots.
  • KI verschiebt Arbeit vom Auslösen zum Konzipieren, Produzieren, Auswählen und Post‑Produzieren. Authentische, markensichere Bildproduktion vor Ort gewinnt, rein austauschbare Motive verlieren.
  • Tagessätze in der Schweiz: häufig CHF 1’000-1’800 (Corporate/Industrie teils bis CHF 2’500); Deutschland/Österreich: 700-1’400 EUR. Hochzeiten in CH meist 2’000-5’000 CHF pro Reportage.
  • Aufträge kommen 2025 vor allem B2B: Social‑Content‑Pakete, Mitarbeiterporträts, Geschäftsberichte, Produkt‑Updates, Employer‑Branding‑Shoots, Event‑Recaps, Immobilien‑Listings.
  • Quellenlage: BFS und Bundesagentur für Arbeit zeigen stabile Beschäftigung mit starken Verschiebungen zwischen Teilmärkten; das US‑BLS meldet bis 2032 keine Jobexplosion, aber stetige Nachfrage in kommerziellen Feldern. (BFS “Kultur‑ und Kreativwirtschaft”, 2024; Bundesagentur für Arbeit, 2024; BLS OOH, 2024/2025)

Wo Nachfrage wirklich entsteht: Segmente, Regionen, Skills

Die Frage ist nicht „Gibt’s Jobs?“, sondern „Wo genau entstehen sie - und welche Kompetenz bucht der Markt bereitwillig ein?“. Hier die Hotspots 2025 mit DACH‑ und Schweiz‑Brille.

Corporate & Employer Branding: Firmen brauchen Gesichter, echte Momente und Content für Website, LinkedIn, Recruiting und Geschäftsbericht. Gefragt sind kurze, wiederkehrende Formate: Porträt‑Tage im Unternehmen, Halbtag‑Reportagen in Teams, Mini‑Stories für Social. In Zürich, Basel, München, Wien ist das oft die stabilste Pipeline, weil sie budgetiert wird und planbar ist.

E‑Commerce & Produkt: Der Standard‑Packshot ist preissensitiv - teils automatisiert, teils Near‑Shore. Aber: hochwertige Produktinszenierungen, Texture‑Makros, 360°‑Drehs und Serien in Marken‑CI sind gefragt, besonders bei Konsumgütern, Medtech, Uhren/Schmuck, Möbeln. Wer Sets schnell auf‑ und abbaut und konsistent liefert, gewinnt Wiederholungsaufträge.

Immobilien & Architektur: Listing‑Druck bleibt hoch. Drohne, Dämmerungs‑Shots, Virtual‑Staging (rechtlich sauber), Grundriss‑Pakete - das zahlt. In Regionen mit Neubau und Revitalisierung (z.B. Grossraum Zürich, Zug, Genf) ist die Auslastung gut. Wichtig: schnelle Lieferzeiten, saubere Farbwiedergabe und klare Rechte.

Events & Messen: Live ist zurück. Unternehmen wollen Bilder noch am selben oder nächsten Tag. Wer direkt vor Ort eine kleine Auswahl retuschiert und übergibt, wird wieder gebucht. Konzerte sind oft low‑pay, B2B‑Events hingegen solide bepreist.

Industrie & Medizin: Zutrittsregeln, Sicherheitsbriefing, PSA - ja, ist aufwendiger. Genau das schützt die Honorare. Nachfrage gibt’s bei Produktionsreportagen, Maschinen‑Details, Safety‑Kampagnen, Kliniken (Team, Abläufe), häufig mit Video‑Snippets kombiniert.

Editorial & Kunst: Herzprojekte, Sichtbarkeit, aber finanziell dünn. Gut als Reputations‑Booster für Corporate‑Aufträge, nicht als einzige Einnahmequelle.

Was sich verschiebt: Generische Stockmotive und austauschbare Still Lifes sind von KI und Smartphones unter Druck. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Marken‑Echtheit, rechtlicher Sicherheit (Model‑ und Property‑Releases, Datenschutz) und wiederkehrenden Content‑Rhythmen. Wer Prozesse, Zuverlässigkeit und Teamführung beherrscht, sticht pure Technik‑Virtuosität aus.

Skills, die 2025 gebucht werden:

  • Konzept & Story: aus Briefing ein Set‑Sheet machen, Mood entwickeln, knappe Timings halten.
  • People‑Führung: echte Emotionen, effiziente Porträt‑Sessions, Diversity sensibel umsetzen.
  • Hybrid‑Output: Fotos + 10-30‑Sekunden‑Clips im Hochformat, sauberes Color‑Matching.
  • KI als Tool: Crops, Freisteller, Staub/Reflexe, Plate‑Ergänzungen - aber keine rechtlich heiklen Deepfakes.
  • Business‑Basics: klare Angebote, Nutzungsrechte, saubere Dateiübergabe, Backups, Termintreue.

Quellen zur Marktlage: In der Schweiz zeigen BFS‑Berichte zur Kultur‑ und Kreativwirtschaft (2023/2024) eine robuste, aber kleinteilige Selbstständigenlandschaft. Das BLS (Occupational Outlook Handbook, Abrufe 2024/2025) beschreibt Photographers mit moderatem Wachstum, doch deutlichen Chancen im kommerziellen Bereich und Content‑Produktion. Die Bundesagentur für Arbeit (BerufeNet, 2024) betont digitale Kompetenzen und Hybrid‑Profile. Branchenreports wie E‑Commerce‑Zahlen von Handelsverbänden sowie Media‑Spend‑Daten von Media Focus (CH) und Nielsen (DE/AT) stützen den Trend zu kontinuierlichem Brand‑Content.

So positionierst du dich: Schritt-für-Schritt, Preise, Tools

So positionierst du dich: Schritt-für-Schritt, Preise, Tools

Du willst nicht nur „mehr Jobs“, sondern planbare Auslastung und kalkulierbare Honorare. So kommst du dahin.

  1. Wähle einen klaren Schwerpunkt (max. 2): z.B. Corporate People + Event oder E‑Commerce Produkt + Kurzvideo. Ein klares Angebotsversprechen schlägt „Ich fotografiere alles“.
  2. Baue ein Mini‑Portfolio für echte Anwendungsfälle: 12-18 Bilder pro Schwerpunkt, Sets in Serien, nicht nur Einzelhits. Zeig Vorher/Nachher, zeig Tempo (z.B. „48‑Stunden‑Lieferung“).
  3. Definiere Pakete statt nur Tagessatz:
    • Porträt‑Tag im Unternehmen: 20-30 Mitarbeitende, 2 Looks, Online‑Galerie, Standard‑Nutzungsrechte. Schweiz: häufig 1’600-2’400 CHF; D/AT: 1’100-1’600 EUR.
    • Event Halbtag: 4 Stunden, 120-180 Bilder, 15 „Same‑Day Edits“. CH: 900-1’400 CHF; D/AT: 650-1’000 EUR.
    • Produkt‑Batch: 40 Artikel, Freisteller + 3 Milieu‑Shots pro SKU. CH: 1’800-3’200 CHF; D/AT: 1’200-2’400 EUR.
  4. Preise belastbar kalkulieren:

    Formel (Faustregel): Ziel‑Jahreseinkommen + Fixkosten + Ausrüstung/Amortisation + Rücklagen (Steuern, Krankheit, Ferien) geteilt durch fakturierbare Tage = Basis‑Tagessatz. Beispiel: 90’000 CHF Ziel + 24’000 CHF Fix + 6’000 CHF Gear + 15’000 CHF Rücklagen = 135’000 CHF. Geteilt durch 110 fakturierbare Tage ≈ 1’227 CHF Basis. Dazu kommen Nutzungsrechte, Assistenzen, Studio, Reisekosten, Gewinnaufschlag.

  5. Nutzungsrechte klären:
    • Interne Nutzung/Web: meist inklusive.
    • Paid Ads national: +25-75% des Honorars (je nach Dauer/Umfang).
    • Internationale Kampagne/OOH: +100-300% und sauberer Lizenzvertrag.
  6. Akquise ritualisieren: 2 Outbound‑Slots pro Woche (z.B. Di/Do 10-11 Uhr): 5 Bestandskund:innen anpingen, 5 neue Entscheider:innen (HR/Marketing/E‑Commerce/Agentur) mit kurzer, nutzenorientierter Mail und 3 Bildbeispielen. 15‑min Kennenlern‑Call anbieten.
  7. Lieferkette verschlanken: Tethering wo sinnvoll, Farbmanagement fix, Presets für Serien, Cloud‑Gallerien mit Favoritenmodus, klare Dateinamen/Ordnerlogik. Versprich nur, was du in 95% der Fälle halten kannst.
  8. KI gezielt einsetzen: Hintergrund‑Cleanup, Staub/Reflexe, Plakat‑Mockups, Variationen für Social; aber Realitätsbezug halten. Dokumentiere Bearbeitungsschritte für Kund:innen, um Vertrauen zu stärken.
  9. Risiken abfedern: Haftpflicht, Equipment‑Backup, 2‑Karten‑Slots, Off‑Site‑Backup, Ausfallvertretung im Netzwerk, klare AGB (Storno, Wetter, Nachbearbeitung, Auswahlprozess).

Heuristiken, die helfen:

  • 70/20/10‑Mix: 70% planbare B2B‑Serien (Porträts, Produkt‑Updates), 20% margenstarke Projekte (Industrie, Kampagne), 10% freie Arbeiten für Sichtbarkeit.
  • Lead‑Zeit: Rechne 6-12 Wochen vom Erstkontakt bis zur ersten Buchung im B2B. Halte darum 10-15 aktive Leads im CRM, um 2-3 Aufträge pro Monat zu sichern.
  • Preisanker: Nenne zuerst den Paketwert, dann Optionen. „Was passt besser - 20 oder 35 Porträts?“ schlägt „Was ist Ihr Budget?“
  • Qualitätssignal: Liefere 5 Hero‑Bilder binnen 24-48 h. Das triggert interne Shares und Folgeaufträge.

Checklisten, Zahlen, Mini‑FAQ und nächste Schritte

Du willst schnell abgleichen, ob dein Angebot marktfähig ist? Hier die komprimierten Hilfen - plus Zahlen, mit denen du planen kannst.

Markt‑Matrix 2025: Segmente, Trend, Preise

Segment Nachfrage‑Trend 2025 Typische Auftraggeber Preisspanne (CH / D-AT) Buchungsvorlauf
Corporate/Employer Branding (People) hoch/steigend HR, Marketing, KMU, Konzerne, Agenturen Tag: 1’400-2’500 CHF / 1’000-1’800 EUR 2-8 Wochen
E‑Commerce Produkt stabil bis steigend (höherer Druck bei Standard‑Packshots) Online‑Shops, Marken, Händler Batch: 1’800-3’200 CHF / 1’200-2’400 EUR 1-4 Wochen
Immobilien stabil Makler, Bauträger, Verwaltungen Listing: 250-600 CHF / 180-450 EUR 3-10 Tage
Events/Messen (B2B) hoch Unternehmen, Veranstalter Halbtag: 900-1’400 CHF / 650-1’000 EUR 2-6 Wochen
Industrie/Medizin On‑Site steigend Produktion, Medtech, Kliniken Tag: 1’600-3’000 CHF / 1’200-2’200 EUR 3-10 Wochen
Hochzeiten volatil (Saisonalität) Privatkunden Reportage: 2’000-5’000 CHF / 1’600-3’800 EUR 2-9 Monate
Editorial/Kultur niedrig Magazine, Häuser, Stiftungen Honorar oft niedrig, gut für Sichtbarkeit 2-6 Wochen

Hinweis: Spannen sind typische Beobachtungen in 2024/2025 in DACH. Lokal, Rechte, Teamgröße und Komplexität verschieben sie deutlich.

Checkliste: Bin ich marktreif aufgestellt?

  • Fokus: Zwei Segmente glasklar benannt?
  • Portfolio: 12-18 Bilder je Segment, Serien statt Einzelbilder?
  • Angebote: 3 Pakete je Segment inkl. Leistungen, Rechte, Lieferzeit?
  • Prozess: Briefing‑Sheet, Shot‑List, Auswahlworkflow, Backup‑Plan?
  • Termine: Fixe Akquise‑Slots im Kalender?
  • Tech: Dual‑Karten, Licht‑Set für On‑Location, Farb‑Workflow stabil?
  • Recht: AGB, Model‑/Property‑Releases, Datenschutz sauber?
  • KI‑Policy: Was ist erlaubt, was nicht? Kund:innen‑Transparenz dokumentiert?

Kurze Entscheidungsbäume für den Einstieg

  • Du lebst in einer Grossstadt (z.B. Zürich/München/Wien)? Starte mit Corporate People + Event. Viele Entscheider:innen, kurze Wege, planbare Budgets.
  • Du bist in einer Industrie‑Region? Industriefotografie + Recruiting‑Porträts. Investiere in PSA‑Know‑how und Sicherheitsbriefings.
  • Du hast Studio‑Zugang? Produkt + Kurzvideo (9:16). Baue Templates und Serienprozesse.
  • Du hast starkes Netzwerk zu Maklern? Immobilien + Drohne + Grundrisse. Schnelle Lieferzeit ist dein USP.

Mini‑FAQ

Ist Fotografie „überlaufen“? In Einsteiger‑Feldern ja. In Nischen mit Zugangshürden (Industrie, Medizin, Corporate) gibt es Platz - wenn du zuverlässig lieferst.

Studio nötig? Für People/Corporate/Event: nein. Für Produkt: sehr hilfreich. Du kannst klein starten (klappbarer Tisch, 2-3 Lichter) und skalieren.

Wie sehr verdrängt KI? Standard‑Motive und Stock spüren Druck. Vor‑Ort‑Produktion, echte Personen, rechtlich saubere Assets, konsistente Serien - das bleibt gefragt. KI wird zum Werkzeug, nicht zum Ersatz.

Kann ich davon leben? Ja, mit Pipeline. Ziel: 8-12 abrechenbare Tage/Monat bei Tagessätzen, die deine Kosten decken. Wiederholkund:innen sind der Hebel.

Angestellt oder selbstständig? Angestellt bietet Stabilität (Inhouse‑Content, Medienhäuser). Selbstständig bringt Hebel über Rechte, Pakete und Upsells. Mischmodelle sind üblich.

Wie schnell komme ich an Aufträge? Rechne 6-12 Wochen im B2B. Kickstart mit Bestandsnetzwerk und gezielten Referenzen (2-3 Testshoots mit echten Firmen, klare Freigaben).

Nächste Schritte: Was du diese Woche, diesen Monat, dieses Quartal tust

  • Diese Woche: Wähle 2 Segmente. Schreibe 3 Paketbeschreibungen. Aktualisiere 18 Bilder auf deiner Website. Blocke 2 Akquise‑Slots.
  • Diesen Monat: Setze 2 Testshoots mit realen Auftraggebern um (gegen kleines Budget oder Tauschleistung) - aber mit professionellem Vertrag. Hole 2 Zitate als Referenz.
  • Dieses Quartal: Schließe 5 Retainer/Serien‑Deals (z.B. quartalsweise Porträt‑Tage, monatliche Produkt‑Batches). Baue ein kleines Freelancer‑Netzwerk (Assistenz, Retusche, Video).

Troubleshooting nach Situation

  • Viele Anfragen, wenig Abschluss: Dein Angebot ist unklar. Führe die Kund:innen mit 3 Paketen und visuellen Beispielen. Frage nach Deadline und Ziel - und referenziere passende Cases.
  • Wenig Anfragen: Erhöhe Sichtbarkeit dort, wo Entscheider:innen sind (LinkedIn, Branchen‑News, lokale Business‑Netzwerke). Poste Serien, nicht Einzelbilder. Erzähl Nutzen (Zeitgewinn, Konsistenz), nicht nur Technik.
  • Preisdruck: Trenne sauber Produktion und Rechte. Biete eine schlanke Produktionsvariante mit kleinerer Rechte‑Umfang an, statt pauschal nachzugeben.
  • Engpässe in der Post: Standardisiere Presets, delegiere Batch‑Retusche, nutze KI‑Assistenz für wiederkehrende Cleanups. Liefere eine Mini‑Auswahl am selben Tag.
  • Unsichere Termine: Arbeite mit „Wetter‑Option“ und klarer Storno‑Staffel. Kommuniziere verfügbare Ersatztermine proaktiv.

Kurz gesagt: Die Nachfrage ist da. Sie belohnt nicht die schönste Kamera, sondern saubere Prozesse, klares Angebot und Bilder, die ein Problem im Unternehmen lösen. Wenn du deine Nische triffst und verlässlich lieferst, wird 2025 ein gutes Jahr.