Die kurze Antwort: Ja - aber nicht überall gleich. Fotografie ist 2025 gefragt, nur verteilt sich die Nachfrage anders als früher. Wer People, Corporate und On‑Location richtig spielt, bekommt volle Kalender. Wer nur auf klassische Stockbilder setzt, spürt Gegenwind. Smartphones und KI drücken auf Standardjobs, aber sie schaffen auch neue Chancen in Markenkommunikation, E‑Commerce und Employer Branding. Realistisch? Du kannst gut verdienen - wenn du dich fokussierst, dein Angebot schärfst und Prozesse straffst.
Hier ist die Kurzfassung, damit du schnell siehst, wo du stehst und wohin du gehen kannst.
Die Frage ist nicht „Gibt’s Jobs?“, sondern „Wo genau entstehen sie - und welche Kompetenz bucht der Markt bereitwillig ein?“. Hier die Hotspots 2025 mit DACH‑ und Schweiz‑Brille.
Corporate & Employer Branding: Firmen brauchen Gesichter, echte Momente und Content für Website, LinkedIn, Recruiting und Geschäftsbericht. Gefragt sind kurze, wiederkehrende Formate: Porträt‑Tage im Unternehmen, Halbtag‑Reportagen in Teams, Mini‑Stories für Social. In Zürich, Basel, München, Wien ist das oft die stabilste Pipeline, weil sie budgetiert wird und planbar ist.
E‑Commerce & Produkt: Der Standard‑Packshot ist preissensitiv - teils automatisiert, teils Near‑Shore. Aber: hochwertige Produktinszenierungen, Texture‑Makros, 360°‑Drehs und Serien in Marken‑CI sind gefragt, besonders bei Konsumgütern, Medtech, Uhren/Schmuck, Möbeln. Wer Sets schnell auf‑ und abbaut und konsistent liefert, gewinnt Wiederholungsaufträge.
Immobilien & Architektur: Listing‑Druck bleibt hoch. Drohne, Dämmerungs‑Shots, Virtual‑Staging (rechtlich sauber), Grundriss‑Pakete - das zahlt. In Regionen mit Neubau und Revitalisierung (z.B. Grossraum Zürich, Zug, Genf) ist die Auslastung gut. Wichtig: schnelle Lieferzeiten, saubere Farbwiedergabe und klare Rechte.
Events & Messen: Live ist zurück. Unternehmen wollen Bilder noch am selben oder nächsten Tag. Wer direkt vor Ort eine kleine Auswahl retuschiert und übergibt, wird wieder gebucht. Konzerte sind oft low‑pay, B2B‑Events hingegen solide bepreist.
Industrie & Medizin: Zutrittsregeln, Sicherheitsbriefing, PSA - ja, ist aufwendiger. Genau das schützt die Honorare. Nachfrage gibt’s bei Produktionsreportagen, Maschinen‑Details, Safety‑Kampagnen, Kliniken (Team, Abläufe), häufig mit Video‑Snippets kombiniert.
Editorial & Kunst: Herzprojekte, Sichtbarkeit, aber finanziell dünn. Gut als Reputations‑Booster für Corporate‑Aufträge, nicht als einzige Einnahmequelle.
Was sich verschiebt: Generische Stockmotive und austauschbare Still Lifes sind von KI und Smartphones unter Druck. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Marken‑Echtheit, rechtlicher Sicherheit (Model‑ und Property‑Releases, Datenschutz) und wiederkehrenden Content‑Rhythmen. Wer Prozesse, Zuverlässigkeit und Teamführung beherrscht, sticht pure Technik‑Virtuosität aus.
Skills, die 2025 gebucht werden:
Quellen zur Marktlage: In der Schweiz zeigen BFS‑Berichte zur Kultur‑ und Kreativwirtschaft (2023/2024) eine robuste, aber kleinteilige Selbstständigenlandschaft. Das BLS (Occupational Outlook Handbook, Abrufe 2024/2025) beschreibt Photographers mit moderatem Wachstum, doch deutlichen Chancen im kommerziellen Bereich und Content‑Produktion. Die Bundesagentur für Arbeit (BerufeNet, 2024) betont digitale Kompetenzen und Hybrid‑Profile. Branchenreports wie E‑Commerce‑Zahlen von Handelsverbänden sowie Media‑Spend‑Daten von Media Focus (CH) und Nielsen (DE/AT) stützen den Trend zu kontinuierlichem Brand‑Content.
Du willst nicht nur „mehr Jobs“, sondern planbare Auslastung und kalkulierbare Honorare. So kommst du dahin.
Formel (Faustregel): Ziel‑Jahreseinkommen + Fixkosten + Ausrüstung/Amortisation + Rücklagen (Steuern, Krankheit, Ferien) geteilt durch fakturierbare Tage = Basis‑Tagessatz. Beispiel: 90’000 CHF Ziel + 24’000 CHF Fix + 6’000 CHF Gear + 15’000 CHF Rücklagen = 135’000 CHF. Geteilt durch 110 fakturierbare Tage ≈ 1’227 CHF Basis. Dazu kommen Nutzungsrechte, Assistenzen, Studio, Reisekosten, Gewinnaufschlag.
Heuristiken, die helfen:
Du willst schnell abgleichen, ob dein Angebot marktfähig ist? Hier die komprimierten Hilfen - plus Zahlen, mit denen du planen kannst.
Segment | Nachfrage‑Trend 2025 | Typische Auftraggeber | Preisspanne (CH / D-AT) | Buchungsvorlauf |
---|---|---|---|---|
Corporate/Employer Branding (People) | hoch/steigend | HR, Marketing, KMU, Konzerne, Agenturen | Tag: 1’400-2’500 CHF / 1’000-1’800 EUR | 2-8 Wochen |
E‑Commerce Produkt | stabil bis steigend (höherer Druck bei Standard‑Packshots) | Online‑Shops, Marken, Händler | Batch: 1’800-3’200 CHF / 1’200-2’400 EUR | 1-4 Wochen |
Immobilien | stabil | Makler, Bauträger, Verwaltungen | Listing: 250-600 CHF / 180-450 EUR | 3-10 Tage |
Events/Messen (B2B) | hoch | Unternehmen, Veranstalter | Halbtag: 900-1’400 CHF / 650-1’000 EUR | 2-6 Wochen |
Industrie/Medizin On‑Site | steigend | Produktion, Medtech, Kliniken | Tag: 1’600-3’000 CHF / 1’200-2’200 EUR | 3-10 Wochen |
Hochzeiten | volatil (Saisonalität) | Privatkunden | Reportage: 2’000-5’000 CHF / 1’600-3’800 EUR | 2-9 Monate |
Editorial/Kultur | niedrig | Magazine, Häuser, Stiftungen | Honorar oft niedrig, gut für Sichtbarkeit | 2-6 Wochen |
Hinweis: Spannen sind typische Beobachtungen in 2024/2025 in DACH. Lokal, Rechte, Teamgröße und Komplexität verschieben sie deutlich.
Ist Fotografie „überlaufen“? In Einsteiger‑Feldern ja. In Nischen mit Zugangshürden (Industrie, Medizin, Corporate) gibt es Platz - wenn du zuverlässig lieferst.
Studio nötig? Für People/Corporate/Event: nein. Für Produkt: sehr hilfreich. Du kannst klein starten (klappbarer Tisch, 2-3 Lichter) und skalieren.
Wie sehr verdrängt KI? Standard‑Motive und Stock spüren Druck. Vor‑Ort‑Produktion, echte Personen, rechtlich saubere Assets, konsistente Serien - das bleibt gefragt. KI wird zum Werkzeug, nicht zum Ersatz.
Kann ich davon leben? Ja, mit Pipeline. Ziel: 8-12 abrechenbare Tage/Monat bei Tagessätzen, die deine Kosten decken. Wiederholkund:innen sind der Hebel.
Angestellt oder selbstständig? Angestellt bietet Stabilität (Inhouse‑Content, Medienhäuser). Selbstständig bringt Hebel über Rechte, Pakete und Upsells. Mischmodelle sind üblich.
Wie schnell komme ich an Aufträge? Rechne 6-12 Wochen im B2B. Kickstart mit Bestandsnetzwerk und gezielten Referenzen (2-3 Testshoots mit echten Firmen, klare Freigaben).
Kurz gesagt: Die Nachfrage ist da. Sie belohnt nicht die schönste Kamera, sondern saubere Prozesse, klares Angebot und Bilder, die ein Problem im Unternehmen lösen. Wenn du deine Nische triffst und verlässlich lieferst, wird 2025 ein gutes Jahr.