Wenn du dich in einem Fotostudio oder auf einer Reportage mit Profis unterhältst, kommt irgendwann die Frage: Canon oder Nikon? Es klingt wie eine religiöse Auseinandersetzung. Aber die Antwort ist nicht so einfach, wie du denkst. Es geht nicht um das bessere Logo, nicht um die neueste Werbekampagne. Es geht um Gewohnheit, System und das, was dir im entscheidenden Moment die Hand nicht zittern lässt.
Ein Reportagefotograf aus Berlin, der seit 2012 für eine große Zeitung arbeitet, hat 18 Objektive - alle Canon. Er sagt: „Ich kenne jedes Gewicht, jede Schärfe, jede Verzerrung. Ich brauche keine Zeit, um mich an eine neue Linse zu gewöhnen, wenn ich bei einem Brand oder einer Demonstration auf den Auslöser drücke.“
Ein Tierfotograf aus Bayern, der für National Geographic arbeitet, hat 2023 von Nikon auf Canon gewechselt. „Ich hatte die Z7 II. Sie war toll. Aber wenn ich einen Adler in der Luft habe und er plötzlich den Kopf dreht - Canon hat ihn nicht verloren. Nikon hat einen Frame verpasst. Das war der letzte Tropfen.“
Modefotografen bevorzugen oft Canon, weil die Haut in den Bildern sofort ansprechender wirkt - ohne viel Nachbearbeitung. Journalisten und Dokumentarfotografen greifen häufig zu Nikon, weil die Farben realistischer sind und weniger „bearbeitet“ wirken. Ein Redakteur einer großen Nachrichtenagentur sagte mir: „Wenn ich ein Bild von einem Trauernden sehe, will ich nicht, dass es nach Photoshop aussieht. Nikon gibt mir das Gefühl, dass ich wirklich da war.“
Ein Kriegsberichterstatter aus Stuttgart, der in Syrien und der Ukraine gearbeitet hat, sagt: „Ich trage Nikon. Nicht weil es besser ist, sondern weil es nicht kaputtgeht. Ich habe meine Z8 durch Staubstürme, Schnee und 40 Grad Hitze gezerrt. Sie funktioniert immer.“
Canon hingegen ist für viele Fotografen einfacher zu bedienen. Die Menüs sind intuitiver, die Tasten besser platziert. Nikon hat ein komplexeres System - mit mehr Optionen, aber auch mehr Klicks. Wer schnell arbeitet, schätzt das. Wer viel nachdenkt, mag die Kontrolle.
Die meisten Profis wählen nicht zwischen Canon und Nikon - sie wählen ein System und bleiben dabei. Die Technik ist heute so gut, dass beide Marken hervorragende Bilder liefern. Der Unterschied liegt nicht in der Kamera, sondern in der Hand, die sie hält - und in den Linsen, die sie schon zehn Jahre lang kennt.
Wenn du gerade anfängst: Probiere beide aus. Leih dir eine Canon R6 Mark II und eine Nikon Z6 II aus. Gehe damit in den Park. Fotografiere Kinder, Hunde, Blumen. Schau, welche Kamera sich besser anfühlt. Welche Menüs du schneller findest. Welche Farben dir besser gefallen. Dann entscheide dich - und bleib dabei.
Profis wählen nicht das beste System. Sie wählen das System, das sie nicht mehr wechseln wollen.
Profis wechseln selten, weil sie in ein komplettes Ökosystem investiert haben: Linsen, Blitzgeräte, Zubehör und sogar Koffer sind auf ein System zugeschnitten. Ein Wechsel bedeutet, alles neu zu kaufen - oft für mehrere tausend Euro. Außerdem kennen sie die Bedienung, die Autofokus-Verhaltensweisen und die Farbgebung ihrer Kamera so gut, dass sie sie nicht riskieren wollen.
Das ist eine gängige Annahme, aber nicht wahr. Beide Marken liefern hervorragende Porträts und Landschaftsbilder. Canon hat einen leichten Vorteil bei Hauttönen, weil die Farbverarbeitung wärmer ist - das macht Porträts oft ansprechender ohne Nachbearbeitung. Nikon ist etwas neutraler, was für Landschaften und Dokumentarfotografie manchmal vorteilhaft ist. Aber das liegt am Fotografen, nicht an der Marke.
Nikon hat traditionell eine etwas stabilere Bauweise, besonders bei den höheren Modellen wie der Z9. Die Gehäuse sind dichter, besser gegen Staub und Feuchtigkeit abgeriegelt. Canon hat in den letzten Jahren aufgeholt - die R3 und R5 sind ebenfalls wetterfest. Aber für extreme Bedingungen - Arktis, Wüste, Dauerregen - bleibt Nikon die bevorzugte Wahl vieler Profis.
Canon hat ein größeres Angebot an neuen RF-Objektiven, besonders im Bereich der Tele- und Super-Tele-Linsen. Nikon hat zwar weniger neue Z-Objektive, aber eine viel größere Auswahl an alten F-Mount-Linsen, die mit Adaptern verwendet werden können. Wer auf gebrauchte Linsen setzt, hat mit Nikon mehr Auswahl. Wer neue, optimierte Objektive will, kommt bei Canon schneller weiter.
Als Anfänger ist Canon oft die bessere Wahl, weil die Kameras intuitiver bedienbar sind, die Farbgebung sofort ansprechend wirkt und die Einsteigermodelle wie die R7 mehr Leistung für weniger Geld bieten. Nikon ist etwas komplexer, aber wenn du Wert auf Robustheit und lange Akkulaufzeit legst, ist die Z5 oder Z6 II eine solide Alternative. Probier beide aus - und entscheide dich für das System, das sich für dich „richtig“ anfühlt.