Kameravergleich Januar 13, 2026

Warum hat Nikon die Kameraproduktion eingestellt?

Melina Fassbinder 0 Kommentare

Nikon hat nicht einfach aufgehört, Kameras zu machen - aber es sieht so aus, als würde es sich langsam aus dem Markt zurückziehen. Seit 2020 hat Nikon nur noch wenige neue Modelle veröffentlicht, und die meisten davon sind spiegellose Kameras. Die klassischen DSLRs, die Nikon einst berühmt gemacht haben, sind fast vollständig verschwunden. Die Frage ist nicht, ob Nikon aufgehört hat, sondern warum es sich so verhält - und ob es noch eine Zukunft für die Marke gibt.

Die Ära der DSLRs ist vorbei

Nikon war jahrzehntelang einer der größten Hersteller von DSLR-Kameras. Die D700, D800, D750 - diese Modelle waren das Rückgrat von Profis und ambitionierten Amateuren. Sie waren robust, hatten ausgezeichnete Bildqualität und ein riesiges Angebot an Objektiven. Doch mit der Ankunft der spiegellosen Systemkameras hat sich alles verändert. Sony, Canon und Fujifilm haben früh erkannt: Der Spiegel ist überflüssig. Er macht Kameras schwerer, teurer und verlangsamt den Autofokus. Nikon hat zu lange gezögert.

Als Sony 2013 mit der A7 den ersten Vollformat-Spiegellosen auf den Markt brachte, war Nikon noch damit beschäftigt, neue DSLRs zu verkaufen. Canon folgte 2018 mit der EOS R, und Nikon erst 2019 mit der Z6 und Z7. Zu spät. Der Markt hatte sich bereits verschoben. Kunden wollten kleinere Kameras, schnelleren Autofokus und bessere Video-Funktionen. Nikon hatte das Potenzial, aber nicht die Geschwindigkeit.

Canon hat schneller umgesetzt

Canon hat Nikon in der spiegellosen Transformation deutlich geschlagen. Innerhalb von drei Jahren hat Canon mehr als 15 neue spiegellose Modelle veröffentlicht - von der Einsteigerkamera EOS R50 bis zur Profikamera EOS R3. Sie haben ihre gesamte Objektivlinie umgestellt: EF-Objektive mit Adapter nutzbar, aber neue RF-Objektive mit optimaler Optik und schnellerer Kommunikation. Nikon hingegen hat nur zwei Hauptmodelle (Z6 und Z7) und ein paar kleinere Ergänzungen (Z5, Z30) veröffentlicht. Die Produktlinie wirkt fragmentiert, ohne klare Strategie.

Canon hat auch die Software und den Online-Service verbessert. Die Canon Camera Connect App funktioniert nahtlos, die Firmware-Updates kommen regelmäßig, und die Kunden haben ein klares Upgrade-Pfad: von der R10 zur R7, dann zur R5. Nikon hat keine solche klare Linie. Wer eine Z5 hat, weiß nicht, ob die nächste Kamera eine Z8 oder eine völlig neue Serie sein wird.

Die Objektiv-Lücke wird größer

Nikon hat eine riesige Sammlung an F-Mount-Objektiven - mehr als 300 Modelle, die seit den 1950er Jahren entwickelt wurden. Viele davon sind noch heute hervorragend. Aber Nikon hat nie eine klare Strategie für die Umstellung auf Z-Mount entwickelt. Die neuen Z-Objektive sind exzellent - scharf, leicht, mit großer Blende - aber es gibt zu wenige davon. Es gibt keine günstigen Z-Objektive für Einsteiger, keine Super-Teleobjektive für Tierfotografen, keine ultraweiten Objektive für Landschaftsfotografen.

Canon hat dagegen in kürzester Zeit eine komplette Palette an RF-Objektiven aufgebaut: von 14mm bis 800mm, von 200 Euro bis 10.000 Euro. Nikon hingegen hat nur 20 Z-Objektive auf dem Markt - und viele davon sind teuer. Wer mit Nikon einsteigen will, muss entweder einen teuren Body kaufen oder auf gebrauchte F-Objektive mit Adapter zurückgreifen. Das ist keine attraktive Option für neue Kunden.

Verwelkter Nikon-Zweig im Vergleich zu blühenden Canon- und Sony-Bäumen mit technischen Funktionen als Früchte.

Der Markt hat sich verändert - Nikon hat nicht mitgezogen

Heute kaufen Menschen Kameras nicht mehr nur für die Bildqualität. Sie wollen schnellen Autofokus für Videos, gute Low-Light-Leistung, künstliche Intelligenz, die Gesichter erkennt, und eine App, mit der sie Bilder sofort auf Instagram hochladen können. Nikon hat sich auf technische Spezifikationen konzentriert - und dabei die Nutzererfahrung vernachlässigt.

Canon hat das verstanden. Die EOS R8 hat einen KI-basierten Autofokus, der Hunde, Katzen, Vögel und sogar Autos verfolgt. Die EOS R6 Mark II hat einen 24-MP-Sensor, der in Dunkelheit noch sauber arbeitet, und eine 4K-Videofunktion mit 60 fps - alles für weniger als 1.500 Euro. Nikon hat keine Kamera in dieser Preisklasse, die so viele Funktionen bietet.

Und dann ist da noch der Preis. Nikon hat seine Kameras nie wirklich günstiger gemacht. Selbst die Z5, die als Einsteigermodell verkauft wird, kostet fast 1.000 Euro - und das ohne Objektiv. Canon bietet die EOS R50 für 550 Euro. Fujifilm hat die X-S20 für 900 Euro mit einem guten Zoom-Objektiv im Paket. Nikon bleibt teuer - und bietet dafür weniger Innovation.

Die Finanzen sagen eine andere Geschichte

Nikon hat 2023 einen Verlust von 1,2 Milliarden Yen (rund 7,5 Millionen Euro) im Fotobereich gemacht. Der Umsatz mit Kameras ist seit 2018 um mehr als 60 % gesunken. Gleichzeitig steigt der Umsatz mit medizinischen Geräten und Industrielinsen - diese Sparten bringen jetzt mehr Geld als Kameras. Nikon hat sich entschieden: Kameras sind kein Wachstumsmarkt mehr. Sie sind ein Kostenfaktor.

Im Jahr 2024 hat Nikon die Produktion von drei DSLR-Modellen endgültig eingestellt. Die letzte neue DSLR, die D5600, wurde 2016 vorgestellt. Seitdem hat Nikon keine neue DSLR mehr auf den Markt gebracht. Die Z-Serie ist die Zukunft - aber sie wird nicht mehr so stark gefördert wie früher. Die Werbung für Nikon-Kameras ist fast verschwunden. In Fotogeschäften in Zürich oder Berlin liegen Canon- und Sony-Kameras in den Vitrinen, Nikon steht meistens in der Ecke, vergessen.

Fotograf hält eine Nikon Z8 und alte Objektive, vor einer Wand mit verblassten Nikon-Werbeplakaten.

Was bleibt - und was kommt?

Nikon hat noch ein paar Vorteile: Die Bildqualität der Z6 II und Z8 ist immer noch hervorragend. Die Farbtreue ist ausgezeichnet, besonders für Portraitfotografie. Die Verarbeitung ist robust. Und die Objektive, die es gibt, sind technisch brillant. Aber diese Vorteile reichen nicht mehr, um neue Kunden zu gewinnen.

Die Zukunft von Nikon liegt wahrscheinlich in der Nische: Profis, die schon lange Nikon nutzen und nicht wechseln wollen. Oder Fotografen, die speziell die Nikon-Farben lieben. Aber für Einsteiger, Videografen, Social-Media-Nutzer - Nikon ist nicht mehr relevant.

Es ist nicht so, dass Nikon pleite ist. Es ist so, dass Nikon sich entschieden hat, nicht mehr mitzuspielen. Die Kameras werden nicht mehr entwickelt - sie werden nur noch produziert, bis der letzte Lagerbestand verkauft ist. Der nächste Schritt? Vielleicht eine kleine, günstige Z-Kamera für Studenten. Oder eine Kamera mit speziellen Funktionen für Luftbildfotografie. Aber ein echtes Comeback? Das wird es nicht geben.

Was bedeutet das für Fotografen?

Wenn du eine Nikon-Kamera hast - halte sie. Sie funktioniert noch gut. Die Objektive sind wertvoll. Du kannst sie noch lange nutzen. Aber wenn du eine neue Kamera suchst, dann schau dir Canon, Sony oder Fujifilm an. Die bieten mehr Innovation, mehr Auswahl und besseren Kundenservice.

Nikon hat einst die Fotografie revolutioniert. Heute ist es ein Überlebender - nicht mehr ein Wegbereiter. Die Branche hat sich weiterentwickelt. Nikon hat nicht mitgezogen. Und das ist nicht nur eine Frage von Technik. Es ist eine Frage von Vision.

Hat Nikon wirklich aufgehört, Kameras herzustellen?

Nein, Nikon stellt noch Kameras her - aber nur noch die spiegellosen Modelle der Z-Serie. Die DSLRs sind nicht mehr in Produktion. Die letzten neuen Modelle, wie die Z8 und Z9, werden weiterhin verkauft, aber es gibt keine neuen Entwicklungen mehr. Nikon hat die Produktion von Einsteiger- und Mittelklasse-DSLRs eingestellt und konzentriert sich nur noch auf wenige Profimodelle.

Warum ist Canon erfolgreicher als Nikon?

Canon hat schneller erkannt, dass der Markt von DSLRs zu spiegellosen Kameras wechselt. Sie haben früh in neue Objektive (RF), Software (KI-Autofokus) und Benutzererfahrung investiert. Nikon hat zu lange an DSLRs festgehalten und dann nur halbherzig in die Z-Serie investiert. Canon hat auch günstigere Modelle angeboten und eine klare Upgrade-Pfad für Kunden geschaffen - Nikon nicht.

Sind Nikon-Objektive noch eine gute Investition?

Ja - aber nur, wenn du schon eine Nikon-Kamera hast. Die F-Mount-Objektive sind robust, scharf und haben einen hohen Gebrauchtwert. Die neuen Z-Mount-Objektive sind technisch besser, aber es gibt zu wenige davon, und sie sind teuer. Wenn du neu einsteigst, ist Nikon keine gute Wahl - aber wenn du bereits in Nikon investiert hast, lohnt es sich, weiterzumachen.

Kann Nikon noch zurückkommen?

Theoretisch ja - aber praktisch unwahrscheinlich. Nikon hat seine Ressourcen auf medizinische und industrielle Linsen verlagert, weil dort das Geld ist. Kameras sind für Nikon kein Wachstumsmarkt mehr. Selbst wenn sie eine neue Kamera herausbringen würden, fehlt es an Marketing, an Objektiven und an Vertrauen der Kunden. Die Konkurrenz ist zu stark.

Welche Kameras sollte ich heute kaufen, wenn ich Nikon mag?

Wenn du an Nikon festhalten willst, ist die Z8 die beste Wahl - sie hat den neuesten Sensor, den besten Autofokus und hervorragende Video-Funktionen. Die Z6 II ist eine günstigere Alternative mit fast gleicher Bildqualität. Aber wenn du flexibel bist, schau dir die Canon EOS R8 oder die Sony A7 IV an. Sie bieten mehr Funktionen, mehr Objektive und bessere Software - für ähnlichen Preis.