Als Anfänger-Fotograf fragst du dich wahrscheinlich: Wie viel sollte ich berechnen, ohne zu teuer oder zu billig zu wirken? Die Antwort ist nicht einfach, denn es geht nicht nur um deine Kamera oder deine Erfahrung - es geht um Wert, Zeit und was der Markt wirklich zahlt. Viele Anfänger unterschätzen ihre Zeit, überschätzen ihre Ausrüstung und unterschätzen den Wert ihrer Arbeit. Du bist kein Hobbyist, der ab und zu ein Bild macht. Du bist ein Dienstleister. Und Dienstleistungen haben einen Preis.
Ein Bild, das du in 5 Minuten schießt, kann 10 Stunden Arbeit kosten. Wenn du nur 30 Franken pro Bild verlangst, verdienst du weniger als 3 Franken pro Stunde. Das ist kein Beruf - das ist ein Verlustgeschäft.
Stundenlohn × Arbeitsstunden + Ausrüstungskosten + Nebenkosten = Mindestpreis
Was heißt das konkret?
Beispiel: Eine 2-stündige Porträt-Session mit 8 Stunden Gesamtzeit, 20 Franken/Stunde, 10 Franken Ausrüstung und 15% Nebenkosten ergibt:
8 × 20 = 160 Franken
+ 10 Franken Ausrüstung
+ 15% (25 Franken)
= 195 Franken
Du musst nicht 195 Franken verlangen - aber du solltest nicht weniger verlangen, wenn du nicht pleite werden willst.
| Dienstleistung | Preisbereich (CHF) | Typische Arbeitszeit |
|---|---|---|
| Porträt (1-2 Personen) | 150-250 | 6-8 Std. |
| Family-Session (4-6 Personen) | 250-400 | 8-10 Std. |
| Studentenfotos / Uni-Abschluss | 100-200 | 4-6 Std. |
| Small Business (Lokales Café, Studio) | 300-500 | 8-12 Std. |
| Hochzeit (4-6 Std. Shoot) | 600-1000 | 20-30 Std. |
Diese Preise sind real - und sie sind nicht zu hoch. Sie sind fair. Du musst nicht mit Profis konkurrieren, die 2000 Franken für eine Hochzeit verlangen. Du musst nur fair bezahlt werden.
Ein Kunde, der 50 Franken für ein Porträt zahlt, wird dich nicht als Experten sehen. Er wird dich als Hobbyisten betrachten. Und er wird erwarten, dass du ihn anrufst, wenn du Zeit hast. Er wird dir keine Referenzen geben. Er wird nicht weiterempfehlen.
Ein Kunde, der 200 Franken zahlt, sieht dich als Dienstleister. Er hat investiert. Er hat Vertrauen. Er wird dich bewerten. Er wird dich weiterempfehlen. Und das ist der einzige Weg, wie du dich aufbauen kannst.
Wenn du deine Arbeit professionell beschreibst, wird der Preis nicht mehr so wichtig sein. Die Leute zahlen für Sicherheit, nicht für den niedrigsten Preis.
Erhöhe nicht, weil du dich „besser“ fühlst. Erhöhe, weil du mehr Wert lieferst. Weil du schneller arbeitest. Weil du weniger Nacharbeit brauchst. Weil Kunden dich empfehlen.
Du bist ein Unternehmer. Und Unternehmer investieren in ihre Zukunft. Wenn du nur ausgibst, wirst du nie weiterkommen.
Und dann? Dann wirst du merken: Die Leute zahlen nicht für deine Kamera. Sie zahlen für deine Sichtweise. Für deine Geduld. Für deine Fähigkeit, einen Moment festzuhalten, den sie selbst nicht gesehen haben.
Das ist es, was wertvoll ist.
Ein Anfänger-Fotograf, der 5-8 Aufträge pro Monat hat und 200-300 Franken pro Session verlangt, verdient zwischen 1000 und 2400 Franken pro Monat. Das ist kein Vollzeit-Einkommen - aber es ist ein Start. Mit mehr Aufträgen und höheren Preisen steigt das Einkommen schnell. Viele Fotografen in der Schweiz arbeiten nebenberuflich und verdienen damit 3000-5000 Franken im Monat nach 1-2 Jahren.
Nein - nicht für Freunde, Familie oder „fürs Portfolio“. Wenn du Rabatte gibst, setzt du deinen Wert herab. Stattdessen biete Pakete an: „3 Sessions für 500 Franken“ statt „10% Rabatt“. So bleibst du professionell und gibst dennoch einen Anreiz. Rabatte führen zu Erwartungen - und Erwartungen führen zu Enttäuschungen.
Vermeide Texte wie „Meine Preise sind günstig“. Stattdessen: „Mein Preis von 250 Franken beinhaltet 2 Stunden Shoot, 15 bearbeitete Bilder, Online-Galerie und schnelle Lieferung innerhalb von 7 Tagen.“ Konkretes, transparentes Angebot vermeidet Missverständnisse und macht dich glaubwürdig.
Sag: „Ich verstehe das. Viele Kunden sparen für besondere Momente. Ich arbeite mit klaren Preisen - aber ich habe auch kleinere Pakete: Ein 1-stündiges Porträt für 120 Franken mit 5 Bildern. Vielleicht ist das etwas für dich?“ So zeigst du Flexibilität - ohne deine Preise zu verraten.
Ja. Selbst wenn du nur 50 Franken verdienst. In der Schweiz musst du als Selbständiger Rechnungen ausstellen, wenn du mehr als 10.000 Franken im Jahr verdienst. Aber schon ab 1 Franken verdient, solltest du eine Rechnung haben - für deine eigene Buchhaltung und für den Eindruck, den du machst. Nutze kostenlose Tools wie Zoho Invoice oder Invoice Ninja. Eine Rechnung macht dich professionell - auch wenn du noch am Anfang bist.
Dein Preis ist nicht deine Schuld. Dein Preis ist dein Versprechen - an dich selbst, an deine Arbeit und an die Menschen, die dich buchen. Du hast das Recht, dafür bezahlt zu werden.