Karriere November 29, 2025

Wie viel sollte ich als Anfänger-Fotograf berechnen? Praktische Preise für 2025

Melina Fassbinder 0 Kommentare

Als Anfänger-Fotograf fragst du dich wahrscheinlich: Wie viel sollte ich berechnen, ohne zu teuer oder zu billig zu wirken? Die Antwort ist nicht einfach, denn es geht nicht nur um deine Kamera oder deine Erfahrung - es geht um Wert, Zeit und was der Markt wirklich zahlt. Viele Anfänger unterschätzen ihre Zeit, überschätzen ihre Ausrüstung und unterschätzen den Wert ihrer Arbeit. Du bist kein Hobbyist, der ab und zu ein Bild macht. Du bist ein Dienstleister. Und Dienstleistungen haben einen Preis.

Was du wirklich bezahlt bekommst - nicht nur das Foto

Wenn jemand dich bucht, kauft er nicht nur ein Bild. Er kauft deine Aufmerksamkeit, deine Planung, deine Nachbearbeitung, deine Zuverlässigkeit und deine Fähigkeit, in einem Moment etwas Einzigartiges festzuhalten. Ein Hochzeitsfotograf braucht 8 Stunden am Tag, aber 20 Stunden hinterher für die Auswahl, Bearbeitung und Lieferung. Ein Porträt braucht 2 Stunden Shoot, aber 3 Stunden für Retusche und Datei-Verwaltung. Das ist deine Arbeitszeit. Und sie zählt.

Ein Bild, das du in 5 Minuten schießt, kann 10 Stunden Arbeit kosten. Wenn du nur 30 Franken pro Bild verlangst, verdienst du weniger als 3 Franken pro Stunde. Das ist kein Beruf - das ist ein Verlustgeschäft.

Die Grundformel: Zeit + Ausrüstung + Kosten

Du brauchst keine komplizierte Preisliste. Fang mit dieser einfachen Formel an:

Stundenlohn × Arbeitsstunden + Ausrüstungskosten + Nebenkosten = Mindestpreis

Was heißt das konkret?

  • Stundenlohn: In der Schweiz liegt der Mindestlohn für Fachkräfte bei etwa 25-35 Franken pro Stunde. Als Anfänger kannst du mit 20 Franken pro Stunde beginnen - aber nur, wenn du wirklich gut bist und deine Arbeit professionell präsentierst.
  • Arbeitsstunden: Rechne für eine 2-stündige Shoot-Sitzung mindestens 6-8 Stunden Gesamtzeit. Das sind 120-160 Franken nur für deine Zeit.
  • Ausrüstungskosten: Kamera, Objektive, Speicherkarten, Stativ, Backup-Geräte - das kostet Geld. Teile die Anschaffungskosten über 3 Jahre. Das sind etwa 5-15 Franken pro Session.
  • Nebenkosten: Fahrten, Parkgebühren, Versicherung, Software-Abos (Lightroom, Photoshop), Steuern, Bankgebühren. Rechne 10-15% dazu.

Beispiel: Eine 2-stündige Porträt-Session mit 8 Stunden Gesamtzeit, 20 Franken/Stunde, 10 Franken Ausrüstung und 15% Nebenkosten ergibt:

8 × 20 = 160 Franken
+ 10 Franken Ausrüstung
+ 15% (25 Franken)
= 195 Franken

Du musst nicht 195 Franken verlangen - aber du solltest nicht weniger verlangen, wenn du nicht pleite werden willst.

Was zahlen Kunden wirklich - Schweizer Markt 2025

In Zürich und anderen grossen Schweizer Städten zahlen Kunden für Anfänger-Fotografen folgende Preise (Stand 2025):

Durchschnittliche Preise für Anfänger-Fotografen in der Schweiz, 2025
Dienstleistung Preisbereich (CHF) Typische Arbeitszeit
Porträt (1-2 Personen) 150-250 6-8 Std.
Family-Session (4-6 Personen) 250-400 8-10 Std.
Studentenfotos / Uni-Abschluss 100-200 4-6 Std.
Small Business (Lokales Café, Studio) 300-500 8-12 Std.
Hochzeit (4-6 Std. Shoot) 600-1000 20-30 Std.

Diese Preise sind real - und sie sind nicht zu hoch. Sie sind fair. Du musst nicht mit Profis konkurrieren, die 2000 Franken für eine Hochzeit verlangen. Du musst nur fair bezahlt werden.

Fotograf fotografiert eine Familie im Park bei goldenem Abendlicht in der Stadt.

Warum du zu wenig verlangst - und was das kostet

Viele Anfänger senken ihre Preise, weil sie Angst haben, keine Aufträge zu bekommen. Das ist verständlich - aber falsch. Wenn du zu billig bist, schickst du ein Signal: Du bist unerfahren. Du bist nicht ernst zu nehmen. Du bist kein Profi - und das glauben Kunden dann auch.

Ein Kunde, der 50 Franken für ein Porträt zahlt, wird dich nicht als Experten sehen. Er wird dich als Hobbyisten betrachten. Und er wird erwarten, dass du ihn anrufst, wenn du Zeit hast. Er wird dir keine Referenzen geben. Er wird nicht weiterempfehlen.

Ein Kunde, der 200 Franken zahlt, sieht dich als Dienstleister. Er hat investiert. Er hat Vertrauen. Er wird dich bewerten. Er wird dich weiterempfehlen. Und das ist der einzige Weg, wie du dich aufbauen kannst.

Wie du deine Preise verkaufst - ohne zu klingen wie ein Verkäufer

Du musst nicht schreien: „Ich bin teuer!“ Du musst nur klar sagen: „Das ist mein Preis - und hier ist, was du bekommst.“

  • Erkläre, was inbegriffen ist: „Inklusive 20 bearbeitete Bilder, Online-Galerie, Download-Link, 10 Tage Bearbeitungszeit.“
  • Zeige, was du nicht machst: „Ich biete keine 500 Bilder an - ich wähle die besten aus. Qualität vor Quantität.“
  • Erwähne deine Prozesse: „Ich arbeite mit Backup-Kameras, sichere alle Dateien und lösche nicht verwendete Bilder nach 30 Tagen.“

Wenn du deine Arbeit professionell beschreibst, wird der Preis nicht mehr so wichtig sein. Die Leute zahlen für Sicherheit, nicht für den niedrigsten Preis.

Was du als Anfänger nicht tun solltest

  • Nicht umsonst arbeiten: „Für Portfolio“ ist kein Grund. Dein Portfolio braucht keine kostenlosen Kunden - es braucht gute Bilder. Du kannst auch mit 50 Franken pro Session anfangen - aber nicht mit 0.
  • Nicht mit Profis vergleichen: Ein Fotograf mit 10 Jahren Erfahrung verdient 100 Franken pro Stunde. Du bist nicht er. Und das ist okay. Du musst nicht gleich so viel verlangen. Aber du musst fair sein.
  • Nicht auf Rabatte eingehen: „Kannst du noch 20 Franken runter?“ - Nein. Sag: „Ich arbeite mit klaren Preisen. Das ist mein Angebot.“
  • Nicht mit Social Media Preise vergleichen: Auf Instagram sehen viele aus, als würden sie für 50 Franken arbeiten. Das ist Marketing. Die meisten davon verdienen nichts. Oder sie haben andere Einkommensquellen.
Waage mit Kamera und Geldstapel, umgeben von Symbolen für Zeit, Ausrüstung und Versicherung.

Wie du deine Preise schrittweise erhöhst

Du musst nicht von heute auf morgen von 150 auf 400 Franken springen. Mache es so:

  1. Beginne mit 150-200 Franken für einfache Sessions.
  2. Nach 10 Aufträgen und 3 guten Referenzen: erhöhe auf 250-300.
  3. Nach 20 Aufträgen und einem professionellen Portfolio: 350-450.
  4. Nach 1 Jahr und einem eigenen Stil: 500+.

Erhöhe nicht, weil du dich „besser“ fühlst. Erhöhe, weil du mehr Wert lieferst. Weil du schneller arbeitest. Weil du weniger Nacharbeit brauchst. Weil Kunden dich empfehlen.

Was du mit dem Geld machst - und warum das wichtig ist

Wenn du 200 Franken verdienst, gibst du nicht alles aus. Ein Teil muss zurückfließen:

  • 10% für neue Ausrüstung (z. B. ein neues Objektiv)
  • 5% für Software-Abos (Lightroom, Backup-Dienste)
  • 5% für Weiterbildung (Online-Kurs, Workshop)
  • 10% für Steuern und Versicherung
  • Rest: dein Einkommen

Du bist ein Unternehmer. Und Unternehmer investieren in ihre Zukunft. Wenn du nur ausgibst, wirst du nie weiterkommen.

Was kommt als Nächstes?

Wenn du deine Preise gefunden hast, geht es nicht mehr ums Geld - sondern um deine Marke. Baue ein Portfolio auf. Sende deine besten Bilder an lokale Blogs, Cafés, kleine Unternehmen. Biete kostenlose Sessions an - aber nur, wenn du den Vertrag hast: „Ich bekomme 10 bearbeitete Bilder für mein Portfolio, und du bekommst die Dateien.“

Und dann? Dann wirst du merken: Die Leute zahlen nicht für deine Kamera. Sie zahlen für deine Sichtweise. Für deine Geduld. Für deine Fähigkeit, einen Moment festzuhalten, den sie selbst nicht gesehen haben.

Das ist es, was wertvoll ist.

Wie viel verdient ein Anfänger-Fotograf in der Schweiz im Monat?

Ein Anfänger-Fotograf, der 5-8 Aufträge pro Monat hat und 200-300 Franken pro Session verlangt, verdient zwischen 1000 und 2400 Franken pro Monat. Das ist kein Vollzeit-Einkommen - aber es ist ein Start. Mit mehr Aufträgen und höheren Preisen steigt das Einkommen schnell. Viele Fotografen in der Schweiz arbeiten nebenberuflich und verdienen damit 3000-5000 Franken im Monat nach 1-2 Jahren.

Sollte ich als Anfänger Rabatte anbieten?

Nein - nicht für Freunde, Familie oder „fürs Portfolio“. Wenn du Rabatte gibst, setzt du deinen Wert herab. Stattdessen biete Pakete an: „3 Sessions für 500 Franken“ statt „10% Rabatt“. So bleibst du professionell und gibst dennoch einen Anreiz. Rabatte führen zu Erwartungen - und Erwartungen führen zu Enttäuschungen.

Wie kann ich meine Preise mit Kunden kommunizieren?

Vermeide Texte wie „Meine Preise sind günstig“. Stattdessen: „Mein Preis von 250 Franken beinhaltet 2 Stunden Shoot, 15 bearbeitete Bilder, Online-Galerie und schnelle Lieferung innerhalb von 7 Tagen.“ Konkretes, transparentes Angebot vermeidet Missverständnisse und macht dich glaubwürdig.

Was mache ich, wenn Kunden sagen: „Ich kann mir das nicht leisten“?

Sag: „Ich verstehe das. Viele Kunden sparen für besondere Momente. Ich arbeite mit klaren Preisen - aber ich habe auch kleinere Pakete: Ein 1-stündiges Porträt für 120 Franken mit 5 Bildern. Vielleicht ist das etwas für dich?“ So zeigst du Flexibilität - ohne deine Preise zu verraten.

Brauche ich eine Rechnung als Anfänger?

Ja. Selbst wenn du nur 50 Franken verdienst. In der Schweiz musst du als Selbständiger Rechnungen ausstellen, wenn du mehr als 10.000 Franken im Jahr verdienst. Aber schon ab 1 Franken verdient, solltest du eine Rechnung haben - für deine eigene Buchhaltung und für den Eindruck, den du machst. Nutze kostenlose Tools wie Zoho Invoice oder Invoice Ninja. Eine Rechnung macht dich professionell - auch wenn du noch am Anfang bist.

Dein Preis ist nicht deine Schuld. Dein Preis ist dein Versprechen - an dich selbst, an deine Arbeit und an die Menschen, die dich buchen. Du hast das Recht, dafür bezahlt zu werden.