Wenn du eine Balenciaga-Kampagne siehst, dann weißt du sofort: Das ist nicht irgendwer. Die Bilder haben etwas Unverwechselbares - kalt, präzise, fast schon beunruhigend real. Die Modelle wirken wie Figuren aus einem dystopischen Film, die Kleidung ist übertrieben, die Posen unnatürlich, und doch: Du kannst nicht wegsehen. Wer steckt eigentlich dahinter? Wer macht diese Bilder, die so viele als Kunst bezeichnen und andere als Provokation abtun?
Seit 2015 ist Nick Knight ist ein britischer Modefotograf, der mit seiner Plattform Showstudio.com die Grenzen zwischen Mode, Kunst und Film aufgebrochen hat. Er ist der Hauptfotograf hinter den meisten Balenciaga-Kampagnen seit der Ära von Demna Gvasalia. Seine Arbeit hat die Ästhetik der Marke geprägt - nicht nur durch seine Technik, sondern durch seine radikale Haltung gegenüber dem, was Modefotografie sein kann.
Seine Bilder für Balenciaga sind kein klassischer Mode-Shoot. Es gibt keine glatten Hintergründe, keine perfekt gestylten Haare, keine freundlichen Lächeln. Stattdessen: verzerrte Perspektiven, künstliche Beleuchtung, Modelle, die wie Roboter wirken, und Umgebungen, die aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten. In einer Kampagne aus dem Jahr 2021 standen Models in überdimensionalen Stiefeln auf einer leeren Autobahn. In einer anderen trugen sie Kostüme, die wie aus einer Mülldeponie gebaut wirkten - und doch waren es hochwertige, teure Stücke. Knight macht Mode sichtbar, die sich weigert, schön zu sein. Und genau das ist es, was Balenciaga heute ausmacht.
Nick Knight hat nie eine klassische Fotografie-Ausbildung absolviert. Er begann als Assistent in London, arbeitete sich durch Magazine wie Elle und Vogue, und entwickelte schon in den 90ern eine Vorliebe für digitale Manipulation. Er war einer der ersten, die Photoshop nicht als Werkzeug zur Retusche, sondern als künstlerisches Medium nutzten. Das hat ihn zu einem Pionier gemacht.
Bei Balenciaga nutzt er digitale Techniken, um Realität zu verzerren. Er fotografiert oft mit einer speziellen Kamera, die mehrere Bilder gleichzeitig aufnimmt, und kombiniert sie später zu einer einzigen, unnatürlichen Komposition. Manchmal verwendet er Motion-Capture-Technologie, um die Bewegungen der Modelle zu erfassen und sie dann in statische Bilder zu übersetzen. Das Ergebnis: Körper, die nicht ganz menschlich wirken - als wären sie halb digital, halb physisch.
Im Jahr 2023 erklärte er in einem Interview mit Artforum: "Ich will nicht, dass Menschen sagen: ‚Wie schön‘. Ich will, dass sie sagen: ‚Was ist das?‘" Das ist sein Motto. Und es funktioniert. Balenciaga hat seitdem seine Reichweite verdreifacht, vor allem bei jüngeren Generationen, die sich von perfekten, traditionellen Modebildern abgewandt haben.
Demna Gvasalia, der kreative Direktor von Balenciaga, hat die Marke von einer klassischen französischen Haute Couture-Adresse zu einem Symbol der postmodernen Kultur gemacht. Er will nicht nur Kleidung verkaufen, sondern eine Haltung. Und dafür braucht er jemanden, der diese Haltung visuell übersetzen kann - jemanden, der nicht nur fotografiert, sondern Ideen erschafft.
Nick Knight ist der perfekte Partner dafür. Er versteht, dass Mode heute nicht mehr nur über Stil geht, sondern über Identität, Kritik und Widerstand. Seine Bilder für Balenciaga zeigen oft Menschen, die in einer Welt leben, die sie nicht kontrollieren können - ob durch Technologie, Konsum oder soziale Druck. Es sind Bilder, die Fragen stellen, statt Antworten zu liefern.
Das ist auch der Grund, warum viele seiner Arbeiten in Museen ausgestellt werden - wie im Victoria and Albert Museum in London oder im Centre Pompidou in Paris. Sie sind nicht nur Werbung. Sie sind Kunst. Und Knight hat es geschafft, die Grenze zwischen diesen beiden Welten aufzulösen.
Natürlich gab es vor Knight auch andere Fotografen, die für Balenciaga arbeiteten - aber ihre Arbeit war anders. Vor 2015, unter dem damaligen Chefdesigner Cristóbal Balenciaga (vor dessen Tod 1972) und später unter Kering-Konzern, war die Ästhetik klassisch: elegante Linien, weiche Lichter, glamouröse Modelle.
Einige der früheren Fotografen waren:
Doch keiner von ihnen hat die Marke so tiefgreifend verändert wie Nick Knight. Seine Bilder sind nicht nur anders - sie sind ein Bruch. Ein radikaler Neustart. Und das ist es, was Balenciaga heute ausmacht: nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft.
Wenn du ein Bild von Balenciaga siehst und dich fragst: "Ist das von Knight?", dann schau auf diese drei Dinge:
Diese drei Elemente sind sein Markenzeichen. Und sie sind so konsistent, dass du ein Bild von Balenciaga ohne Logo erkennen kannst - nur an der Fotografie.
Im Jahr 2025 arbeitet Knight an einer neuen Kampagne, die erstmals vollständig mit KI-generierten Hintergründen erstellt wird. Die Modelle sind echte Menschen, aber die Umgebung - die Straßen, die Gebäude, das Licht - ist komplett digital. Es ist ein Experiment, das bisher noch niemand in der Modeindustrie gewagt hat.
Wenn das funktioniert, wird es die nächste Revolution in der Modefotografie sein. Und wieder wird Nick Knight derjenige sein, der sie vorantreibt. Er hat sich nie als "Modefotograf" gesehen. Er sieht sich als Künstler, der mit Bildern spricht. Und Balenciaga? Balenciaga ist sein Sprachrohr.
Der Hauptfotograf der Balenciaga-Kampagnen seit 2015 ist Nick Knight. Er arbeitet eng mit dem kreativen Direktor Demna Gvasalia zusammen und hat die visuelle Identität der Marke maßgeblich geprägt. Seine Bilder sind bekannt für ihre dystopische Ästhetik, digitale Verzerrungen und unnatürliche Posen.
Sie wirken ungewöhnlich, weil Nick Knight bewusst gegen die traditionellen Regeln der Modefotografie verstößt. Er nutzt digitale Verzerrungen, künstliche Beleuchtung und ungewöhnliche Perspektiven, um eine Atmosphäre von Entfremdung und technologischem Einfluss zu erzeugen. Es geht nicht um Schönheit, sondern um Fragen: Wie verändert Technologie unseren Körper? Wie sieht Zukunft aus?
Ja, vor 2015 arbeiteten Fotografen wie Richard Avedon, Irving Penn und Peter Lindbergh für Balenciaga. Ihre Bilder waren klassisch, elegant und fokussierten sich auf die Kleidung selbst. Nick Knight hat mit seiner radikalen, künstlerischen Herangehensweise einen klaren Bruch herbeigeführt - und damit die Marke neu definiert.
Nein. Knight versteht sich als Künstler, der mit Bildern arbeitet. Seine Arbeiten werden in renommierten Museen wie dem Centre Pompidou und dem Victoria and Albert Museum ausgestellt. Er gründete Showstudio.com, eine Plattform, die Mode als lebendige Kunstform zeigt - mit Live-Shoots, Videos und interaktiven Projekten. Modefotografie ist nur ein Teil seines Schaffens.
Er verwendet eine Kombination aus hochauflösenden Digitalkameras, Motion-Capture-Technologie und digitaler Bildbearbeitung. Manchmal fotografiert er mehrere Bilder gleichzeitig und verschmilzt sie zu einer einzigen, verzerrten Komposition. Seit 2025 experimentiert er auch mit KI-generierten Hintergründen, die realistisch wirken, aber nicht existieren.