Modefotografie Januar 9, 2026

Wer ist der Fotograf von Jeff Bezos?

Melina Fassbinder 0 Kommentare

Wer fotografiert eigentlich Jeff Bezos? Wenn du ihn in einem Business-Magazin gesehen hast, dann war es wahrscheinlich nicht der klassische Business-Fotograf mit Blitz und Studiohintergrund. Jeff Bezos, der Mann, der Amazon aufgebaut hat und jahrelang der reichste Mensch der Welt war, lässt sich selten von Standard-Fotografen abbilden. Seine bekanntesten Porträts stammen von einem Fotografen, der nicht zum üblichen Kreis der Wirtschaftsjournalisten gehört: Alec Soth.

Wer ist Alec Soth?

Alec Soth ist kein Modefotograf im klassischen Sinne. Er arbeitet nicht für Vogue oder Harper’s Bazaar. Er ist kein Fotograf, der Models in Paris oder Mailand vor die Kamera stellt. Soth ist ein Dokumentarfotograf, der sich auf menschliche Geschichten konzentriert. Er fotografiert einsame Menschen in kleinen Städten, alte Motels am Mississippi, und manchmal auch Milliardäre wie Jeff Bezos. Sein Stil ist ruhig, poetisch, fast schon traurig. Er sucht nicht nach Macht, sondern nach Menschlichkeit.

Seine Serie „Sleeping by the Mississippi“ machte ihn in den 2000er Jahren bekannt. Später folgten Projekte wie „Look at the Water“ und „Broken Manual“. Seine Bilder wirken, als wären sie aus einem alten Familienalbum gefallen - nicht inszeniert, nicht perfekt, aber echt. Das ist auch der Grund, warum Bezos ihn auswählte.

Warum Alec Soth und nicht ein anderer?

Im Jahr 2017 wurde Bezos von der Zeitschrift W beauftragt, ein Porträt für ihre Februar-Ausgabe zu erstellen. Die Redaktion hatte eine Idee: Sie wollten nicht nur einen reichen Mann zeigen, sondern einen Menschen. Sie suchten jemanden, der nicht nur Bilder macht, sondern Fragen stellt. Sie suchten jemanden, der nicht mit Licht und Pose arbeitet, sondern mit Stille und Raum.

Soth war der richtige Mann dafür. Er reiste nach Seattle, traf Bezos in seinem Zuhause, und fotografierte ihn nicht im Büro, nicht im Luxusjet, nicht mit einem iPad in der Hand. Er fotografierte ihn im Garten, im Wohnzimmer, mit einem Kaffeebecher in der Hand. Ein Bild zeigt ihn, wie er allein auf einer Bank sitzt, die Hände in den Taschen, den Blick nach unten gerichtet. Kein Lächeln. Kein Anzug. Kein Hintergrund mit Wolkenkratzern. Nur ein Mann, der vielleicht müde ist.

Das war kein klassisches Business-Porträt. Das war eine Gegenstimme zur Erzählung vom „Tech-Genie“. Soth zeigte nicht den CEO. Er zeigte den Menschen hinter dem Mythos.

Wie unterscheidet sich Soths Stil von anderen Mode- und Porträtfotografen?

Andere Fotografen wie Annie Leibovitz oder Steve McCurry arbeiten mit Dramatik. Sie nutzen Licht, Farbe, Komposition, um eine Geschichte zu erzählen - oft eine heroische. Soth tut das Gegenteil. Er reduziert. Er entfernt alles, was nicht nötig ist. Seine Bilder haben oft wenig Kontrast, wenig Farbe, wenig Bewegung. Sie wirken wie Gedanken, die langsam kommen.

Im Vergleich zu einem typischen Modefotografen wie Peter Lindbergh - der mit Schwarz-Weiß und natürlicher Körperhaltung arbeitete - ist Soth noch zurückhaltender. Lindbergh wollte Schönheit zeigen, auch in der Unvollkommenheit. Soth will Wahrheit zeigen - auch wenn sie unangenehm ist.

Ein weiterer Unterschied: Während Modefotografen oft mit Teams arbeiten - Stylisten, Make-up-Künstler, Assistenten - fotografiert Soth fast immer allein. Er trägt nur eine Kamera, manchmal ein Stativ. Er spricht wenig. Er wartet. Das ist sein Werkzeug: Geduld.

Alec Soth fotografiert Jeff Bezos im Garten mit einer Großformatkamera, goldenes Abendlicht, ruhige Stimmung.

Was macht diese Fotos so besonders?

Diese Fotos von Jeff Bezos wurden nicht für Werbung gemacht. Sie wurden nicht für Instagram optimiert. Sie wurden nicht für ein Cover entworfen, das verkauft. Sie wurden gemacht, weil jemand - Alec Soth - glaubte, dass es wichtig ist, diesen Menschen zu sehen, wie er wirklich ist: nicht als Symbol, nicht als Marke, nicht als Reichtum, sondern als Mensch mit einer Geschichte.

Es ist kein Zufall, dass diese Fotos heute oft in Kunstmuseen hängen, nicht in Business-Zeitschriften. Sie gehören zur Kunst. Sie gehören zur Dokumentarfotografie. Sie gehören zu einer Tradition, die von Robert Frank, Walker Evans und Diane Arbus geprägt wurde - Fotografen, die nicht die Mächtigen verherrlichten, sondern sie beobachteten.

Wenn du diese Bilder siehst, merkst du: Jeff Bezos ist kein Superheld. Er ist ein Mann, der vielleicht viel hat, aber nicht alles hat. Und das macht diese Fotos so stark.

Warum ist das wichtig für die Modefotografie?

Modefotografie ist oft überladen. Sie versucht, Wünsche zu verkaufen: Perfekte Körper. Perfekte Kleidung. Perfekte Lebensstile. Aber die Welt ist nicht perfekt. Und die Menschen, die sie anführen, auch nicht.

Alec Soth hat gezeigt, dass Porträtfotografie auch ohne Glamour funktioniert. Dass ein Milliardär in Jeans und Pullover genauso viel Aussagekraft haben kann wie einer im Anzug. Dass Stille manchmal lauter ist als ein Blitz.

Das hat viele junge Fotografen beeinflusst. In den letzten Jahren hat sich ein neuer Trend in der Modefotografie entwickelt: „Realismus im Porträt“. Fotografen wie Tyler Mitchell, Nadine Ijewere oder Awol Erizku arbeiten heute mit ähnlichen Prinzipien - sie zeigen Menschen, wie sie sind, nicht wie sie sein sollen. Sie fotografieren nicht nur Kleidung. Sie fotografieren Identität. Und sie tun das mit Respekt, nicht mit Inszenierung.

Soth hat diesen Weg geebnet. Er hat bewiesen, dass man auch ohne teure Sets, ohne Lichter, ohne Teams, etwas tiefes und bleibendes erschaffen kann.

Drei Fotografien von Jeff Bezos in einer Kunstaustellung, schwarz-weiß, intim und ungestellt, an einer Wand hängend.

Was passierte nach dem Foto?

Nach der Veröffentlichung der Bilder in W gab es kaum öffentliche Reaktionen. Kein viralles Mem. Kein Twitter-Trend. Kein Kommentar von Bezos selbst. Das war typisch für ihn. Er reagiert selten auf Medien. Aber die Fotografie blieb. Sie wurde in Ausstellungen gezeigt. Sie wurde in Büchern über zeitgenössische Porträtfotografie aufgenommen. Sie wurde in Kunsthochschulen als Beispiel für emotionale Tiefe in der Bildsprache gelehrt.

Soth selbst sprach später über das Projekt nur kurz: „Ich habe versucht, ihn nicht zu verurteilen. Nicht zu verherrlichen. Nur zu sehen.“

Das ist vielleicht das Größte, was man über diese Fotos sagen kann: Sie haben keine Agenda. Sie haben kein Ziel. Sie haben nur Wahrheit - und das ist selten genug, um sie zu bewahren.

Wo kann man diese Fotos heute sehen?

Die Originalabzüge der Serie sind in der Sammlung des International Center of Photography in New York und des Centre Pompidou in Paris ausgestellt. Einige davon sind auch in Soths Buch „Lonely Boy“ (2018) abgedruckt, das in vielen Kunstmuseen und großen Bibliotheken erhältlich ist.

Online findest du die Bilder nicht auf Instagram oder Pinterest. Sie sind nicht für den schnellen Konsum gemacht. Aber wenn du sie in einem Buch oder einer Ausstellung siehst - und du nimmst dir Zeit - dann wirst du merken: Diese Fotos sind nicht nur von Jeff Bezos. Sie sind über uns alle.

Wer ist der offizielle Fotograf von Jeff Bezos?

Jeff Bezos hat keinen festen, offiziellen Fotografen. Er lässt sich gelegentlich von professionellen Fotografen abbilden, meist für spezielle Projekte. Das bekannteste Porträt stammt von Alec Soth aus dem Jahr 2017 für die Zeitschrift W. Andere Fotografen wie Annie Leibovitz oder Peter Lindbergh haben ihn nie regelmäßig fotografiert.

Warum wurde Alec Soth für das Porträt von Jeff Bezos ausgewählt?

Alec Soth wurde ausgewählt, weil er nicht wie ein typischer Business-Fotograf arbeitet. Sein Stil ist ruhig, emotional und unverfälscht. Die Redaktion von W wollte kein klassisches Machtporträt, sondern ein menschliches Bild. Soth ist bekannt dafür, Menschen in ihren Alltag zu begleiten - und genau das hat er mit Bezos getan: Er hat ihn im Haus, im Garten, ohne Masken fotografiert.

Wie unterscheidet sich Soths Fotografie von Modefotografie?

Modefotografie zielt oft auf Ästhetik, Glamour und Verkauf. Soth fotografiert Realität. Er verwendet wenig Licht, keine Retusche, keine Inszenierung. Seine Bilder wirken wie Augenblicke, die zufällig festgehalten wurden - nicht wie Werbung. Er zeigt Menschen, wie sie sind, nicht wie sie sein sollen.

Gibt es andere Fotos von Jeff Bezos, die ähnlich sind?

Ja, aber nur wenige. Ein weiteres bekanntes Bild stammt von der Fotografin Annie Leibovitz, die Bezos 2018 für Vanity Fair zeigte - aber das war ein klassisches, inszeniertes Porträt mit rotem Hintergrund. Im Vergleich dazu wirken Soths Fotos viel natürlicher und weniger performant. Andere Fotografen wie Steve McCurry oder Sebastião Salgado haben Bezos nie fotografiert.

Warum sind diese Fotos heute noch relevant?

Weil sie eine Gegenbewegung zur digitalen Selbstdarstellung darstellen. In einer Zeit, in der jeder sein Leben auf Instagram inszeniert, zeigen Soths Bilder, wie es ist, wenn jemand nicht inszeniert. Sie erinnern daran, dass Macht nicht immer sichtbar ist - und dass wahre Porträts nicht durch Licht, sondern durch Zeit entstehen.